Eintrag vom 14.02.2010
FOS/BOS - Abensberg oder Kelheim?
Eins vorweg - vor meinem Studium der Wirtschaftsinformatik habe ich über den zweiten Bildungsweg an der BOS Regensburg das allgemeine Abitur nachgeholt.
Da im Landkreis Cham, aus dem ich abstamme, keine BOS mit entsprechendem Angebot vorhanden war, bin ich im Alter von 20 Jahren aus meinem Elternhaus aus- und nach Regensburg umgezogen. Ich musste mir einen Job in Regensburg suchen und habe ein Jahr lang jeden Samstag - teilweise nach dem Nachtdienst (ich war in meinem ersten Beruf Krankenpfleger) - einen Vorbereitungskurs an der FOS Regensburg besucht. Die zwei Jahre an der BOS im Anschluss waren für mich sehr erfolgreich; ich konnte als zweitbester meines Jahrgangs mit einem Numerus Clausus abschließen, mit dem mir jedes Studium offenstand. Ich glaube also, dass ich mit Fug und Recht behaupten darf, die FOS/BOS und deren Belange zu kennen.
Seit geraumer Zeit gibt es im Landkreis Kelheim eine Diskussion, an welchem Standort die endlich dauerhaft genehmigte FOS/BOS gebaut werden soll. In Kelheim befindet sich die aktuelle "Übergangslösung" in Form einer Containerschule und es läge nahe, hier auch die endgültige Schule zu bauen. Aber nun hat sich auch Abensberg gemeldet und hätte gerne den Zuschlag für den Neubau. Klar, dass jeder Lokalfürst diese Schule mit hohem Prestigefaktor gerne in der jeweiligen Stadt sehen würde.
Als Argumente für einen Standort werden immer wieder angelbliche "Synergieeffekte" ins Feld geführt. In Abensberg sieht man Synergien durch Zusammenarbeit mit der Realschule, in Kelheim sieht man Vorteile durch die Nähe zur Berufsschule. Nun muss man wissen, dass an einer FOS/BOS Lehrer mit gymnasialer Lehrberechtigung unterrichten, d.h. Synergien mit einer Realschule sind annähernd Null (den direkten Übertritt am gleichen Ort kann ich beim besten Willen nicht als großen Vorteil anerkennen), Synergien mit der Berufsschule auf der anderen Seite sehe ich auch als sehr dürftig (vielleicht minimale Effekte in der Praktikumsphase der FOS, die BOS hat auch hier keinerlei Vorteile).
Der nächste Punkt, der als Pro-Argument verwendet wird, ist die Verkehrslage. Die Abensberger sind zentral gelegen und daher der Meinung, hier würden die meisten Schüler profitieren. Die Kelheimer sind näher an Riedenburg und führen dies als großen Vorteil auf. Naaaa, jaaaaa...auch hier sollte man sich die spezielle Situation einer FOS/BOS vor Augen führen: Ich gehe davon aus, dass in einer ländlichen Gegend annähernd 100% aller BOS Schüler über ein KFZ verfügen. Die FOS Schüler haben in der 11. Klasse teilweise noch keinen Führerschein - aber das ist auch die Praktikumsphase und findet zu einem erheblichen Teil außerhalb der Schule in Betrieben statt. In der 12. Klasse wird wohl auch ein Großteil der FOS Schüler über einen Führerschein verfügen und Zugriff auf ein Auto haben. Die beiden Städte liegen 15 km auseinander - also für mich hätte dies wohl damals keine Rolle gespielt.
Wir fassen zusammen: Synergieeffekte gibt's kaum - Verkehrslage spielt nicht die entscheidende Rolle. Also was bleibt? Kosten und Erstellungszeit. Ich maße mir nicht an, entscheiden zu können, welche der beiden Städte hier am vorteilhaftesten ist. Wenn man aber den Zuschlag für einen Ort erreichen möchte, muss man wohl etwas mehr zu bieten haben (insbesondere deutlich geringere Kosten) als einen Bürgermeister, der die Schule haben will - denn hierin unterscheiden sich Herr Dr. Uwe Brandl und Herr Fritz Mathes wohl nicht.
» zurück zur Übersicht in "Meinungen"
Wir freuen uns auch über Ihre Meinung!
